Opening Range Breakout – eine einfache Strategie für (fast) alle

Eine Handelsstrategie muss nicht unbedingt kompliziert sein und muss nicht viel Zeit für das Studium von Charts erfordern. Unter Tradern sind die Ansätze am beliebtesten, die leicht zu verstehen sind und die ein Minimum an Zeit zum Öffnen und Schließen der Position benötigen. Opening Range Breakout ist ein solcher Ansatz.

Die Opening Range Breakout Strategie gehört zu den einfachsten und beliebtesten Ansätzen, die von vielen Forex Tradern verwendet wird. Diese Markteinstiegsstrategie ist besonders bei Tradern beliebt, die keine Möglichkeit haben, täglich mehrere Stunden mit dem Studium von Charts zu verbringen.

Das Prinzip dieser Strategie basiert auf der Idee, dass die Richtung des Marktes durch Ereignisse zu Beginn des Tages, beziehungsweise der Handelssitzung, bestimmt wird. Der Bereich, in dem anfangs gehandelt wird, schafft Resistenz- und Supportzonen, deren Durchbrechen dem Trader dann ein Signal zum Einstieg gibt und es ihm gleichzeitig ermöglicht, die Stop-Loss Ebene zu bestimmen (traditionell die Spannweite in dem gegebenen Zeitraum).

Die Stärke dieses Ansatzes besteht darin, dass der Trader selbst bestimmen kann, in welchem ​​Referenzzeitraum die Einstiegsspanne für die Marktteilnehmer gebildet wird. Wenn der Trader einen bestimmten Zeitpunkt bevorzugt, passt er die Werkzeuge bzw. ausgewählte Währungen (und Währungspaare) an, die er handeln wird. Bevorzugt er hingegen einen bestimmten Vermögenswert bzw. Währung/Währungspaar, kann es den Zeitraum anpassen, auf den er sich dann konzentriert.

Der Trader kann einen ausgewählten Zeitraum während des Tages nutzen und muss sich dann nicht mehr um die Märkte kümmern. Er kann auch mehrere Zeiteinheiten nutzen, wenn er aktiver handeln möchte. Es gibt auch keine Grenzen für den Zeitrahmen, in dem der Trader handelt. Erfahrenere Trader können sich dann ein einfacheres automatisches Handelssystem programmieren.

Einfache Basis, viele Möglichkeiten

Grundlage für den Einstieg ist daher die Annahme, dass die Marktrichtung zu Beginn des Handelstages gebildet werden kann. Dies ist die Grundlage, die bei jedem solchen Ansatz gegeben ist, aber der Zeitraum, in dem die Opening Range bzw. Eröffnungsspanne gebildet wird,  bestimmt der Trader selbst. Der klassische Ansatz besteht darin, in der ersten Stunde nach Handelsstart eine Eröffnungsspanne zu erstellen, aber neuerdings führt der Zugriff auf genauere und schnellere Daten dazu, dass Trader die erste halbe Stunde oder Viertelstunde eines Handelstages als Grundlage für die Bildung einer Eröffnungsspanne nehmen. Eine Eröffnungsspanne kann aber auch beispielsweise eine halbe Stunde vor Börseneröffnung, zum Wechsel des Jahres oder eventuell der Woche oder des Monats gebildet werden.

Trader in Europa beobachten oft die erste Stunde nach der Eröffnung der Börsen auf dem alten Kontinent (zwischen 8:00 und 9:00 Uhr MESZ nach Eröffnung in Frankfurt oder zwischen 9:00 und 10:00 Uhr nach Eröffnung in London), wobei die US-Händler die Öffnung der US-Börsen beobachten, in Asien wieder Tokio usw.

Nach dieser Zeit muss der Trader natürlich wählen, auf welchen Vermögenswert er diese Strategie handelt. Die Börseneröffnung in Europa eignet sich natürlich für Währungspaare mit EUR oder CHF, oder den beliebten DAX-Index etc. Bei der Eröffnung von US-Börsen hat der Trader praktisch allen wichtigen Währungspaare (dank USD), US Indizes, usw. zur Verfügung.

Vorsicht vor falschen Signalen

Wie jede andere Strategie hat auch  Opening Range Breakout seine Nachteile, auf die vor allem Anfänger aufpassen sollten. Bei allen Breakout-Strategien sind falsche Durchbrüche das größte Problem. Der Preis kann für eine Weile den Bereich verlassen, aber dann kommt er zurück und geht schließlich in die entgegengesetzte Richtung. Die Bewegung innerhalb der Spanne ist eigentlich ein ewiger Kampf zwischen Verkäufern und Käufern, sodass die Support und Resistenzebenen rund um die Eröffnungsspanne möglicherweise nicht hundertprozentig sind.

Trader können dies lösen, indem sie Trades filtern und zusätzliche Bedingungen für den Einstieg hinzufügen (die Richtung des aktuellen Trends oder die Richtung im höheren Zeitrahmen usw.) oder Indikatoren, nach denen sie einen Trade nur in einer bestimmten Richtung eröffnen. Kleinere falsche Ausbrüche kann man auch so meistern, indem man nicht genau am Maximum oder Minimum der Spanne einsteigt, sondern mit einer gewissen Reserve, zum Beispiel 3 oder 5 Punkte über der Resistenz bzw. unter dem Support.

Korrekturen können Gewinne minimieren

Es kann vorkommen, dass der Preis in die gewünschte Richtung ausbricht und der Trader Gewinne erwartet. Der Preis kehrt dann jedoch wieder zurück, wobei ein unerfahrener Trader aus Angst vor einem falschen Signal eine Position mit einem kleinen Gewinn schließt. Der Preis geht jedoch schließlich wieder in die gewünschte Richtung, und das kann den Trader psychisch negativ beeinflussen, dass er in der nächsten Handelssitzung eine starke Bewegung verpasst oder einen unnötigen Verlust realisiert, weil er sich am Markt „rächen“ möchte. In diesem Fall muss der Trader wie bei jeder anderen Strategie vorab festgelegte und ausreichend getestete Markteinstiegs- und -ausstiegsregeln haben.

Das Bild unten zeigt die Situation auf EURJPY-Paar, als die Eröffnungsspanne nach der Eröffnung der Frankfurter Börse (8:00 – 9:00 Uhr MESZ) gebildet wurde. Der erste Ausbruch in Long-Richtung ist bereits zehn Minuten nach Bildung der Eröffnungsspanne zu sehen, die bei nur 1,9 Punkten lag,  das würde bei gut gesetzten Einstiegen nichts heißen. Der Preis kehrte dann zurück, was ein weiteres Signal erzeugte, aber nach einer interessanten Aufwärtsbewegung kehrte er wieder unter die Resistenz zurück, was das Signal für den weiteren Long-Einstieg erzeugte. Auf diese Weise kehrte der Preis  mehrmals zu einem leichten Minus zurück, aber am Ende könnte es ein interessanter Trade werden.

Trader erwarten zwar nach dem Ausbruch eine signifikante Bewegung, müssen jedoch berücksichtigen, dass signifikante Bewegungen, wie auf dem obigen Chart zu sehen, nicht so häufig sind. Eine gewisse Form der Geldverwaltung während des Trades ist sicherlich angebracht.

Der Trader sollte auch darauf achten, keine Trades in den Währungen der Länder zu eröffnen, in denen der gegebene Tag ein Feiertag ist, eventuell können seine Trades während des Tages von der Ankündigung wichtiger makroökonomischer Nachrichten beeinflusst sein. Auch Fälle, in denen die Eröffnungsspanne zu groß ist, sind wenig geeignet, da dann der SL und der erforderliche TP zu weit sind und der Markt den Großteil der Bewegung bereits hinter sich haben kann.